„Wann, wenn nicht jetzt?“

Fotoausschnitt zur Funktionärskonferenz zur Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2017/2018Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2017/2018: Mehr Geld, mehr Freizeit
Im Rahmen einer gemeinsamen Funktionärskonferenz der Geschäftsstellen Wuppertal, Gevelsberg-Hattingen und Witten trafen sich Betriebsräte der Metall- und Elektroindustrie im Bildungszentrum Sprockhövel um die Forderungen der anstehenden Tarifrunde zu diskutieren.

„Am Ende der Tarifrunde muss ein ordentliches Plus stehen“ – darin waren sich alle Kolleginnen und Kollegen im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel einig: Sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie einen individuellen Anspruch auf eine „kurze Vollzeit“ – verbunden mit einem Teilentgeltausgleich für Beschäftigte, die in Schicht arbeiten, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen.

Funktionärskonferenz zur Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2017/2018 - IG Metall Wuppertal

„Nach 20 Jahren ist das Thema Arbeitszeitverkürzung wieder auf der Tagesordnung“, so Richard Rohnert, Tarifsekretär im IG Metall Bezirk NRW. Die Gewerkschaft wolle einen verbindlichen tariflichen Anspruch für alle, die individuelle Wochenarbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf bis zu 28 Wochenstunden verkürzen zu können. Damit niemand in die „Teilzeitfalle“ rutsche, von der vor allem Frauen betroffen sind, soll es ein garantiertes Rückkehrrecht in Vollzeit geben. Rohnert: „Für Schichtarbeiter und Beschäftigte mit Kindern unter 14 oder pflegebedürftigen Familienangehörigen soll ein tarifdynamischer, pauschalierter Entgeltzuschuss gezahlt werden“. Desweiteren strebt die IG Metall in den Tarifverträgen für Auszubildende und dual Studierende pro Prüfungstag einen freien Tag zur Prüfungsvorbereitung an.

„Mit diesen Forderungen, die in den vergangenen Wochen sehr intensiv diskutiert worden seien, greife man die Wünsche der Beschäftigten nach mehr Spielraum bei den Arbeitszeiten auf“, sagte Richard Rohnert. Immer mehr Beschäftigte wollen mehr Flexibilität für die Erziehung von Kindern bzw. die Pflege eines Angehörigen. Da es in der vergangenen Legislaturperiode des Bundestages nicht gelungen sei, durchzusetzen, dass ArbeitnehmerInnen in Teilzeit wieder auf ihre Vollzeitstelle zurückkehren können, soll dies nun tariflich geregelt werden. „Wann, wenn nicht jetzt?“

IG Metall Bevollmächtigte von Gevelsberg-Hattingen Clarissa Bader im Gespräch mit NRW Tarifsekretär Richard Rohnert

IG Metall-Bevollmächtigte von Gevelsberg-Hattingen Clarissa Bader im Gespräch mit NRW-Tarifsekretär Richard Rohnert

Tarifpaket beschlossen

Im Gegensatz zu den Arbeitgebern, die schon vor Beginn der Tarifverhandlungen lautstark Alarm schlagen und zum Sturmlauf gegen die Tarifforderungen der IG Metall ansetzen, bekommt die Gewerkschaft von Ökonomen und Notenbankchefs breite Unterstützung. „Die Löhne müssen endlich wieder stärker steigen“, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi.

Diskussionsrunde auf der Funktionärskonferenz der IG Metall Wuppertal, Gevelsberg-Hattingen und Witten zur Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2017/2018Diese Anregung begrüßten die Kolleginnen und Kollegen in der Diskussion. Mehrere RednerInnen machten allerdings deutlich, dass im Gegensatz zu einer reinen Prozentforderung ein Festbeitrag bzw. eine Forderung X-Prozent aber mindestens X-Euro zu mehr Entgeltgerechtigkeit führen würde. Schließlich traf das Tarifpaket, das in dieser Woche in der Tarifkommission der IG Metall NRW beschlossen wurde, auf breite Zustimmung.

Konfliktreiche Tarifrunde

„Wir müssen uns auf eine konfliktreiche Tarifrunde einstellen“, sagte Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen. Lohn- und Arbeitszeitfragen seien Machtfragen. Deshalb müsse nun in den kommenden Wochen der Druck aus den Betrieben schrittweise erhöht werden. Ab Mitte November werde mit der Arbeitgeberseite verhandelt. Die bestehenden Tarifverträge laufen bis Ende 2017, bis dahin gelte die Friedenspflicht. Bader: „Doch ab Anfang Januar 2018 sind Warnstreiks möglich. Mobilisieren wir ab jetzt gemeinsam die Beschäftigten in den Betrieben“.

Funktionärskonferenz der IG Metall-Geschäftsstellen Wuppertal, Gevelsberg-Hattingen und Witten zur Tarifrunde Metall-und Elektroindustrie 2017/2018

Um den Druck auf die Metallarbeitgeber zu erhöhen, stehe in dieser Tarifbewegung mit den (bezahlten) 24-Stunden-Warnstreiks ein erweitertes Arbeitskampfrepertoire zur Verfügung. Clarissa Bader wies die ehrenamtlichen Funktionäre daraufhin, dass nur der/die Beschäftigte in den Genuss der Bezahlung kommen werde, der drei Monate vorher Mitglied der IG Metall geworden sei. „Sprecht mit den Kolleginnen und Kollegen, damit sie schnellstens in ihrem eignen Interesse ihre Mitgliedschaft in der IG Metall regeln.“

Fotos: IGM Wuppertal und Gevelsberg-Hattingen

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